Der Profi-Traum gerät in greifbare Nähe

Clemens Uhlig und Nico Thomas sind vom HC Annaberg-Buchholz ans Leistungszentrum nach Delitzsch gewechselt
 
Von Patrick Herrl, freier Mitarbeiter für Printmedien im Auftrag der Freien Presse

Annaberg/Leipzig. Ob Handballer, Fußballer oder andere Profis – für viele Kinder und Jugendliche sind sie die großen Idole. Doch nur die wenigsten treten in ihre Fußstapfen. Jetzt scheint zwei Talenten der Sprung zu gelingen: Clemens Uhlig und Nico Thomas sind vom Handballclub Annaberg-Buchholz an das Leistungszentrum zum 1. SV Concordia Delitzsch gewechselt. Daraus sind unter anderem der Weltmeister von 2007, Lars Kaufmann, und Nationaltorhüter Silvio Heinevetter hervorgegangen.
Dabei ist ihr sportlicher Weg eher vom Zufall geprägt gewesen. „Ich erkannte ihr Talent vor eineinhalb Jahren und wusste, dass sie zu mehr fähig sind“, erklärt der B-Junioren-Coach des HCAB, Horst Herzinger. Erst im April 2009, zu den Landesmeisterschaften der Schulen in Plauen, erweckten der 15- und der 17-Jährige das Interesse von Landesauswahltrainer Matthias Wolf und Jens Pardun. „Die Delitzscher Übungsleiter kamen bereits nach der ersten Vorrundenpartie zu uns, um ihre weitere sportliche Entwicklung zu besprechen“, erinnert sich Herzinger, der die Jungs begleitete. Selbst wurde er 1974 Vize-DDR-Meister mit dem SC Leipzig.
Seit 21. Juli wohnen die beiden Annaberger nun in einer Wohngemeinschaft und besuchen das Sportgymnasium in Leipzig. Das Alltagsleben von Clemens und Nico hat sich seither drastisch geändert. Sie sind nicht nur auf sich allein gestellt, sondern auch erheblich in ihrer Freizeit eingeschränkt. Nach dem morgendlichen Gang in die Sporthalle folgt Schule. Der Tag endet mit einer weiteren Trainingseinheit. Trotzdem bereuen sie ihre Entscheidung keineswegs. „Ich bin glücklich über die derzeitige Situation. Zu Beginn hatte ich noch etwas Heimweh, aber das ist mittlerweile verflogen“, meint Nico, der seit sechs Jahren Handball spielt. Er stülpt sich nicht nur das Trikot des Juniorteams von Concordia Delitzsch über. Dank Doppelspielberechtigung läuft er außerdem bei den A-Junioren des SC DHfK Leipzig auf.
Noch weniger Anpassungsprobleme hatte Clemens: „Ich habe mich schon bei den Delitzscher A-Junioren in die Start-Sieben gekämpft. Zudem genieße ich die Unabhängigkeit“, sagt der Torschützenkönig der Bezirksliga-Saison 2008/09 – damals mit 148 Treffern in 15 Partien. Der Sport in seiner Familie wird jeher groß geschrieben. Bruder Georg (Basketball), Vater Jens (Handball) und er teilten daheim eine Gemeinsamkeit: Die Nummer 7 auf dem Rücken. „Wahrscheinlich, weil ich am 7. Juli Geburtstag habe“, sagt Mutter Tamara, die in der Leichtathletik aktiv war, schmunzelnd. Die
7 fehlt ihrem Sohn in Delitzsch aber noch.
Die Talente lieben die Vielseitigkeit des Handballs und die sportliche Härte. Ebenso energisch arbeiten sie an ihrer Entwicklung und setzen sich dementsprechend hohe Ziele. Während Nico der Sprung in die 1. Bundesliga vorschwebt, hofft Clemens, irgendwann für die Landesauswahl nominiert zu werden. „Vielleicht sogar für die Nationalmannschaft“, ergänzt er. Trotz dieser Träume wollen sie zunächst Priorität auf die Schule legen. „Wir möchten später studieren. Auf jeden Fall irgendwas mit Sport“, sind sich die beiden Erzgebirger einig.

(Quelle: Freie Presse vom 19.09.2009)

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