Routinier sagt nach fast 30 Jahren adè


erschienen am 07.09.2013 von Thomas Schmidt, Freie Presse

625 Pflichtspiele, weit mehr als 2000 Tore, seit 1985 ununterbrochen in der Männermannschaft: An diesen Werten von Michael Wagner werden die meisten Handballer scheitern. Doch die neue Saison macht der Fast-Fünfziger nicht mehr mit.

michael wagnerAnnaberg-Buchholz. Viele Männer werden nicht auf so stolze Bilanzen verweisen können, wenn sie in den sportlichen Ruhestand gehen. Michael Wagner kann es. Dennoch hätte er im September 1985, als er im zarten Alter von 17 Jahren gegen Schneeberg seine ersten fünf Männertore warf, nicht gedacht, dass er fast 30 Jahre später immer noch auf dem Parkett stehen würde. "Nun ist aber Schluss", sagt der wurfgewaltige Rechtshänder mit dem Zopf als Markenzeichen.

So recht glauben mag er dies wohl selbst nicht. "Vielleicht helfe ich ja mal aus, wenn ich gefragt werde", lässt er schon mal ein Hintertürchen offen. Günter Leistner, bei dem Michael Wagner in der fünften Klasse an der Buchholzer Pestalozzi-Schule mit dem Handballspielen begann, wird es mit Genugtuung vernehmen. Schließlich ist er noch oft in der Halle, wenn Handball läuft. Und Erfahrung kann der Sieben des HC Annaberg-Buchholz in manchen Phasen sicher gut tun. Zudem spielt(e) der Mann auf der Königsposition, wie die Handballer es nennen: als Rechtshänder auf halblinks.

Aus all den Jahren könnte der "Lars" - wie er von einigen aufgrund seines Vorbildes, des Dänen Lars Christiansen - gerufen wird, eine Unmenge an Episoden erzählen. Etwa, als er in einem Bezirksligaspiel gegen Einheit Plauen 18 Tore warf. Oder, als es die Partie gegen Champions-League-Sieger SC Magdeburg mit Stefan Kretzschmar in Annaberg gab. Oder wie der Auftritt mit den DDR-Olympiasiegern von 1980 verlief. "Das alles waren echte Höhepunkte, die ich nicht vergessen werde", sagt Wagner, der sich aber stets aufs Spielen konzentrierte. "Mit Vorstands- oder Trainerarbeit habe ich nichts am Hut", gibt er offen zu.

Dafür aber mit allem, was rollt. Denn nicht nur als Handballer ist der waschechte Buchholzer bekannt, sondern auch als Fußballer: "Dass ich nach fünf Jahren im ESV Buchholz später in der Bezirksliga für den VfB Annaberg auflief, brachte mir den Titel eines Verräters ein. Gleich recht nach dem Pokalspiel Annaberg gegen Buchholz, das 1:0 nach Verlängerung endete. Torschütze: Wagner." Doch mit solchen "Feinheiten" hat der gelernte Heizungsinstallateur, der für einen Hotelbetrieb als Haustechniker arbeitet, umzugehen gelernt. Denn im Handball hat der 46-Jährige, der bei der BSG Plasticart Buchholz begonnen hat, diesem Stadtteil immer die Treue gehalten. "Selbst auf dem Zenit meiner Laufbahn, als mich die Oberligisten Flöha und Zwönitz abwerben wollten, habe ich den Offerten widerstanden", erinnert sich der Rückraumspieler, der oft auch die Berichte fürs Internet und für die Zeitung verfassen durfte.

Dankbar ist er dafür, dass er weitgehend von Verletzungen verschont blieb: "Irgendwie hat mir der liebe Gott eine besondere Fitness in die Wiege gelegt." Dennoch spürte er in den vergangenen Jahren, dass der Körper nicht mehr 20 ist - vor allem in den Tagen, in denen die Regeneration nach den Begegnungen immer länger dauerte. Seinen Christiansen-Trick, den er oft bei Siebenmetern anwandte, würde er dennoch gern weiter einsetzen: "Das ist so ein schwer zu beschreibender Wurf, bei dem der Ball eine besondere Flugkurve nimmt - durch einen Topspin-Drall vorwärts seitwärts macht er einen unnatürlichen Bogen. Dies auch hinzukriegen, habe ich tausendfach geübt, weil es in den unteren Ligen selten jemand bringt", erzählt Wagner sein kleines Geheimnis. Eins, das mitverantwortlich für viele Treffer war.

Den Trick kann er künftig seinem 10-jährigen Sohn Bruno beibringen. "Um den muss ich mich jetzt ein bisschen mehr kümmern", gibt Wagner zu. Weit muss er dabei nicht laufen, denn der Spross trainiert bei Katrin Meyer Handball. Sie ist wiederum die Tochter von Günter Leistner, bei dem einst Wagner seine ersten Wurftechniken übte.

Blümchen und Sekt hat sich Michael Wagner redlich verdient. Nach fast 30 Jahren Handball hat er sein letztes Pflichtspiel bestritten.

Foto: Bernd März


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